Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern

die Weitergabe des Feuers!” (Gustav Mahler)



Die Idee zu den JAZZ CONCERTINI entstand im März 2013 bei dem mitreißenden Auftritt des Jugendsinfonieorchesters im Karnevalskonzert der Städtischen Musikschule. Sie sind als ein Jugendmusik-Projekt gedacht mit dem Anliegen, wichtige Merkmale und Bestandteile der Musiktradition der Vergangenheit in einem immer neuen Gewand zu vermitteln. Das Zusammenwirken alter und neuer, klassischer und jazziger Gestaltungselemente und die Tatsache, dass alle Solo- und Orchesterpartien von jungen Leuten ausgeführt werden, möchte vor allem auch beim gleichaltrigen, jungen Publikum Anziehung bewirken und Interesse hervorrufen. Das ist vielleicht eine Möglichkeit zum Verständnis des oben als Motto vorangestellten Wortes von Gustav Mahler.


Das JAZZ CONCERTINO NO. 2, ebenfalls in der thematischen Substanz in allen drei Sätzen auf eine “Sonatina” zurückgehend, ist dieser gegenüber deutlich breiter angelegt. Es besitzt etwa wie ein Konzert Mozarts im Kopfsatz mehrere thematische Komplexe, aus denen ein differenzierter Formverlauf entwickelt wird. Gattungstypisch für das klassische Solokonzert wandern die Themenkomplexe vielfach dialogisierend zwischen Solo und Orchester hin und her.

Die Verbindung traditioneller thematischer Arbeit mit der Jazz-Harmonik in allen diesen Stücken wirft ein spezielles Problem auf: wegen der besonderen Beschaffenheit einer sogenannten “upper structure” - also der Schichtung der höher im Klang gelegenen Töne, die die besondere reizvolle Farbe in einem Jazz-Akkord ausmachen - lässt sich dieser nicht wie ein einfacher Dreiklang umkehren. Die durch solche Umkehrung entstehenden Vertauschung der Schichten eines Satzes ist aber in der Klassik eine wichtige Technik bei der Entwicklung und Differenzierung der Satzteile in größeren Formen. Bei der Verwendung des Jazz-Idioms in einer klassischen Form resultieren daraus mannigfaltige Schwierigkeiten und Rücksichten, z.B. bei der Lagerung eines Themas im Bass mit Begleitung in den Oberstimmen oder in einem polyphonen Satzgefüge. Aus dem gleichen Grund enthält der Klaviersatz fast keine Oktavgriffe, was insgesamt wiederum beiträgt zu einem schlanken Klaviersatz, der auch von jugendlichen Spielern gut zu bewältigen ist.

 


NDR I, 1.11.2014 "Musikland Niedersachsen" von und mit Rudolf Krieger. Ulrich Kallmeyer: Jazz Concertini Nos. 1 & 2

Studiogäste: Ulrich Kallmeyer, Knut Hartmann, Wolfgang Zill, Nina Ding, Tsuzumi Namikawa